{"id":4152,"date":"2025-05-03T11:36:23","date_gmt":"2025-05-03T10:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=4152"},"modified":"2026-02-07T09:36:16","modified_gmt":"2026-02-07T08:36:16","slug":"neu_grummer-zeitzeugen-zur-zwangsarbeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=4152","title":{"rendered":"Grummer Zeitzeugen zur Zwangsarbeit"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">In seiner ,\u2018Geschichte des Bochumer Stadtteils Grumme\u2019 (s.u.) hat <strong>Thomas Mono<\/strong> im Jahr 1981 Zeitzeugen befragt, die auch von Erfahrungen zum Thema Zwangsarbeit berichteten:<\/span><\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Alfons K.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">&#8222;Die Kaiseraue wurde im Krieg umfunktioniert. Zuerst, 1940, kamen da franz\u00f6sische Kriegsgefangene rein. Nach denen kamen Russen und Polen da hinein, nachher waren nur noch Russen da, die arbeiteten auf Constantin 6\/7 und wurden von Bochumer Polizeieinheiten bewacht. Die Russen hatten teilweise Kontakt mit Grummer Leuten. Einer kam auch \u00f6fters zu uns, der kriegte dann von meiner Mutter einen Teller Suppe. Die Russen sind von der Polizei oft brutal misshandelt und geschlagen worden.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Alois K.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">&#8222;Ich habe schaurige Sachen pers\u00f6nlich gesehen. Und zwar haben Zivil- und Kriegsgefangene aus dem Osten, vor allem Russen, in den Kellerr\u00e4umen w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs campiert. Die mussten auf Constantin 6\/7 arbeiten. Die wurden kolonnenweise immer zur Zeche hin und zur\u00fcck zur Kaiseraue gebracht. Und ich wollte einmal morgens mit der Stra\u00dfenbahn zur Stadt fahren, da sah ich, wie sich einer b\u00fccken wollte, um eine Kartoffelscheibe aufzuheben und die zu essen. Das sah ein Grummer, der mir auch heute noch bekannt ist, der geh\u00f6rte zum Wachpersonal. Der schlug den mit &#8217;nem dicken Kn\u00fcppel nieder. So etwas habe ich aber nicht nur einmal gesehen, ich kam jeden Tag vorbei, und der An- und Abmarsch wiederholte sich sehr oft.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Josefine H.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">&#8222;In der Kaiseraue waren russische Gefangene, das war ganz furchtbar. Da wurde zwar gekocht f\u00fcr, die hatten aber immer einen schrecklichen Hunger. Wenn bei uns Kohlen vor dem Haus lagen, standen schon ein paar Russen da zum Einf\u00fcllen, um etwas zu Essen zu bekommen, ich habe ihnen auch immer etwas gegeben. &#8230; Da waren 4 Russen, die haben immer in der Aschentonne nach etwas Essbarem gesucht, und wenn ich die kommen sah, habe ich ihnen entweder unauff\u00e4llig etwas aus dem Fenster geworfen oder auch etwas in die Aschentonne gelegt. Die haben wenig zu essen gekriegt, da haben sich die Lagerleiter doch dran gesund gesto\u00dfen, die hatten immer was zu essen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Einer hier von Grumme hat einen Russen so geschlagen, dass er daran gestorben ist. Der hatte nur einen Kapskopf geklaut, weil er Hunger hatte, da hat der den so geschlagen, dass er daran gestorben ist. Die sind gepr\u00fcgelt worden! Aber das waren alles diejenigen, die nachher so taten, als w\u00e4ren sie nie Nazis gewesen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\"><b>Zitat aus der Monografie:<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">&#8222;Diese Gefangenen waren haupts\u00e4chlich auf der Zeche Constantin 6\/7 besch\u00e4ftigt, vereinzelt hatten sie aber auch auf den Grummer H\u00f6fen bzw. in Grummer Betrieben zu arbeiten. Nach Angaben von Frau Helf waren beispielsweise an der Kiesgrube des Bauern Helf einige Russen w\u00e4hrend des Krieges besch\u00e4ftigt. Auch Frau Helf berichtet von dem schlimmen Zustand, in dem sich die Gefangenen aufgrund der mangelnden Ern\u00e4hrung befanden, so dass sie die bei der Kiesgrube besch\u00e4ftigten Russen trotz Strafandrohung speiste, sonst w\u00e4ren sie \u00fcberhaupt nicht arbeitsf\u00e4hig gewesen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Mono, Thomas,, Die Geschichte des Bochumer Stadtteils Grumme zwischen 1900 und 1980 im Spiegel erz\u00e4hlender Quellen und Erinnerungen Bochum 1981 S.39<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\"><strong>Die Kaiseraue als Lager 1942 &#8211; Bericht eines Sch\u00fclers<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">Der ehemalige Pfarrer <strong>Georg Braumann<\/strong> berichtet in seiner Dokumentation (s.u.) von einem Spaziergang seiner Klasse seines Gymnasiums ins Zillertal im Jahr 1942. Er zitiert dabei den Sch\u00fcler <strong>Ludwig S.<\/strong>:wie folgt:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">\u201e<i>Ende des Sommers 1942 machten wir zusammen mit Vatter Braun und Klostermann einen Klassenausflug in das Grummer \u201eZillertal\u201c \u2013 zum Sammeln von Ebereschenbeeren. \u2026.Im Sommer 1941 waren die R\u00e4ume und der Garten der Kaiseraue Internierungslager f\u00fcr franz\u00f6sische Offiziere. Auf dem Schulausflug erinnerte ich mich an einen Sonntagsspaziergang mit meinen Eltern, der uns im Sommer 1941 an der Kaiseraue vorbeigef\u00fchrt hatte: Hinter einem etwa 2,5 m hohen Maschendrahtzaun sahen wir eine muntere Gesellschaft junger M\u00e4nner, nur mit kurzen Hosen bekleidet, auf bequemen Korbsesseln in der Sonne sitzen. Sie beobachteten beif\u00e4llig und lebhaft kommentierend die Kunstst\u00fccke eines ihrer Kameraden. Gerade beugte der von Sonnen\u00f6l gl\u00e4nzende, bronzefarbene K\u00f6rper des Athleten sich dem Boden zu, um eine auf einem Taschentuch liegende Zigarette mit den Lippen aufzuheben. Ich klatschte ebenfalls Beifall, und der Athlet quittierte das nach seiner \u00dcbung mit einer leichten Verbeugung auch in unsere Richtung. Im Weitergehen fragte ich meinen Vater: \u201aWarum fliehen die nicht aus diesem Lager?\u2018 Vater sagte: \u201aOffenbar haben die Herren ihr Offiziersehrenwort gegeben, und au\u00dferdem k\u00f6nnen sie ja hier wohl den Krieg auf angenehme Weise ertragen und \u00fcberleben.\u2018<\/i><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\"><i>Unsere Lehrer f\u00fchrten uns nun ins Zillertal, wo wir besonders an der nach Osten aufsteigenden B\u00f6schung, rechts des Weges, zahlreiche Ebereschen unterschiedlichen Alters mit vielen reifen Fruchtst\u00e4nden vorfanden. Wo n\u00f6tig, zogen wir die \u00c4ste mit Spazierst\u00f6cken zu uns herunter und pfl\u00fcckten in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzer Zeit viele Beeren. Auf dem Heimweg trug ich einen mit feuerroten Fr\u00fcchten geh\u00e4uft angef\u00fcllten, gro\u00dfen Schuhkarton wie eine Troph\u00e4e vor mir her. Vor der Kaiseraue durften die in der N\u00e4he wohnenden Sch\u00fcler, zu denen ich auch geh\u00f6rte, die von den Lehrern gef\u00fchrte Gruppe verlassen, um auf dem schnellsten Wege nach Hause zu gehen. Als zwei Klassenkameraden und ich an den Fenstern des ehemaligen Restaurants vorbeigingen, h\u00f6rten wir von dort unverst\u00e4ndliche Zurufe. Wir gingen auf die jetzt mit starken Gittern und sehr engem Maschendraht bewehrten Fenster zu und konnten erst aus unmittelbarer N\u00e4he in den d\u00e4mmrigen Raum hineinsehen: Wir erkannten eine Vielzahl von kahlgeschorenen K\u00f6pfen, die sich von unten und von den Seiten aus drei \u00fcbereinander stehenden Holzpritschen in die Fen<\/i><i>s<\/i><i>ter\u00f6ffnung dr\u00e4ngten. Die offenbar sehr jungen sowjetischen Kriegsgefangenen machten in ihren schmutzigen Uniformfetzen und ihren ausgemergelten, hohl\u00e4ugigen Gesichtern einen wirklich erbarmungsw\u00fcrdigen, Mitleid erregenden Eindruck auf uns. Mit ganz unterw\u00fcrfiger Geb\u00e4rde zeigten ihre d\u00fcnnen Finger auf die herrlich roten Fr\u00fcchte, die sie zu sich hineinwinken wollten. Aus dem Hintergrund der Gruppe rief einer leise immer wieder: \u201eCheben, Hunger! Cheben, Hunger!\u201c Wir stellten unsere Sammelgef\u00e4\u00dfe auf das St\u00fcck Fensterbank, welches das Gitter noch frei lie\u00df und dr\u00fcckten die Beeren mit den flachen H\u00e4nden durch den Draht, dessen Maschen bestenfalls zwei bis drei Fr\u00fcchte gleichzeitig durchlie\u00dfen. Auf der anderen Seite ergriffen viele d\u00fcnne Finger die roten K\u00fcgelchen und steckten sie hastig in die dazugeh\u00f6rigen M\u00fcnder, um die H\u00e4nde sofort wieder f\u00fcr den Empfang weiterer Beeren frei zu haben. Schnell wanderte unsere ganze Ernte durch den Maschendraht \u2013 viel zu schnell f\u00fcr die Empf\u00e4nger! Trotzdem klatschte einer von ihnen, wie zum Dank, ein paar Mal die H\u00e4nde. Jetzt n\u00e4herte sich ein \u00e4lterer Wachsoldat, der von der etwa 20 m entfernten ehemaligen Eingangst\u00fcr aus unser Treiben offenbar, ohne einzuschreiten, beobachtet hatte, und bedeutete uns mit einer wortlos verstehbaren Hand<\/i><i>be<\/i><i>wegung: \u201aHaut jetzt ab!\u2018 Wir drei gingen schweigend nach Hause; jeder wohl auf eigene Weise schmerzlich ber\u00fchrt von dem eben Erlebten und verfolgt von den traurigen Augen der jungen Gefangenen. &#8230;<br \/>\nVon Klostermann wussten wir um einen Erla\u00df des Herrn Reichsinnministers, demzufolge jeglicher Kontakt mit sowjetischen Kriegsgefangenen bei Strafandrohung verboten war. Der Lehrer hatte erl\u00e4utert, dieser Er<\/i><\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\"><i>la\u00df sei wohl v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig, da ja ohnehin jeder anst\u00e4ndige Deutsche sich mit Abscheu von diesen bolschewistischen Untermenschen abwenden w\u00fcrde.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt; color: #000000;\"><strong>Georg Braumann,<\/strong> Striktes Gehorchen und freies Denken \u2013 Die altsprachliche Klasse des staatlichen Gymnasium Bochum 1941 \u2013 1951 mit Oberschul-Parallelklasse 1943 \u2013 1946, erschienen Bochum 1998 S.40f<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner ,\u2018Geschichte des Bochumer Stadtteils Grumme\u2019 (s.u.) hat Thomas Mono im Jahr 1981 Zeitzeugen befragt, die auch von Erfahrungen zum Thema Zwangsarbeit berichteten: Alfons&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=4152\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Grummer Zeitzeugen zur Zwangsarbeit<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":4086,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"iawp_total_views":41,"powered_cache_disable_cache":false,"footnotes":""},"class_list":["post-4152","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4152"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5290,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4152\/revisions\/5290"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}