{"id":2816,"date":"2024-05-05T15:47:05","date_gmt":"2024-05-05T15:47:05","guid":{"rendered":"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=2816"},"modified":"2025-09-03T16:44:20","modified_gmt":"2025-09-03T15:44:20","slug":"grumme-im-ersten-weltkrieg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=2816","title":{"rendered":"Grumme im ersten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">Die Kriegsbegeisterung im August 1914 ist uns heute unverst\u00e4ndlich, doch auch in Grumme wurde die Mobilmachung von vielen mit Jubel begr\u00fc\u00dft. So berichtete 1981 Zeitzeuge <strong>Wilhelm H.<\/strong>:<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">&#8222;Das war, glaube ich, auf einem Samstag Abend,&#8230;. Da kam das heraus mit der Mobilmachung. Da haben wir ganz sch\u00f6n gefeiert, es ist sp\u00e4t nachts geworden. Ich wei\u00df, dass wir hier oben am K\u00f6tterberg noch gesessen haben, mit Musik. Ja, und dann haben wir nachher mit unserer Kapelle in den ersten Tagen die Reservisten zum Bahnhof gebracht, so richtig im Festzug.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">Dann war es so, wenn mal wieder ein Sieg errungen war und ich das geh\u00f6rt habe, rief ich schnell den Pastor Fiene an, dass wir einen Sieg hatten und soundso viele Gefangene, und dann wurden die Glocken gel\u00e4utet. &#8211; Dann musste ich nachher selbst Soldat werden, von 1916 bis 1920. 1918 kam ich in Gefangenschaft, und erst im Februar 1920 kam ich zur\u00fcck.&#8220;<\/span><\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/ggg.grumme.de\/wp-content\/uploads\/DWO-KU-hist-gefalleneSoldaten-WKI-cw-jpg-02-jpg.jpg\" alt=\"Grumme im ersten Weltkrieg\" width=\"354\" height=\"346\"><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Zeitzeuge <strong>Georg H<\/strong>. erinnerte sich:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\"><em>&#8222;Ich wei\u00df noch genau, wie ich vom B\u00e4cker Otte kam, mit Brot. Ich kam von Grumme, und da riefen sie: &#8218;Ist Krieg, Krieg, hurra!&#8216; Es war eine gro\u00dfe Begeisterung, so etwas gibt&#8217;s nicht wieder, so viele Freiwillige haben sich gemeldet! &#8218;Wenn sie mich nicht holen, dann gehe ich freiwillig!&#8216; und so etwas riefen alle. 1915 oder 1916, ich wei\u00df es nicht mehr genau, da sa\u00dfen wir hier drau\u00dfen vor dem Haus, da hatte die Begeisterung schon nachgelassen, und da sagte mein \u00e4lterer Bruder ziemlich traurig zu mir: &#8218;Ich glaube, unser Bruder Franz muss in den Krieg &#8218;\u201c<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">Die Kriegsbegeisterung verflog schon bald, weil viele Soldaten nicht mehr nach Hause kamen. Verletzte Soldaten&nbsp; wurden auch im Grummer St. Josefs-Hospital behandelt, das mit 200 Betten zum &#8218;Reservelazarett Bochum&#8216; geh\u00f6rte. <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\"><em>&nbsp;&#8218;Liebesgaben f\u00fcr den Sch\u00fctzengraben&#8216;<\/em><br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">Unter diesem Motto wurden zu Beginn des Krieges Geschenke f\u00fcr die Soldaten an der Front gesammelt. Vor allem im \u201aVaterl\u00e4ndischen Frauenverband\u2018 wurden Socken, Handschuhe und Pullover gestrickt. Sp\u00e4ter wurde das kommerzialisiert und man konnte Geld spenden an eine Firma, die daf\u00fcr die Frontsoldaten belieferte. In Grumme gab es in der Schule eine \u201aLiebesgaben-Sammelstelle\u2018, wo man Sach- und Geldspenden abgeben konnte. In der Grummer Schul-Chronik kann man nachlesen, dass von dort 450 kleinere, 20 gr\u00f6\u00dfere Pakete und eine gr\u00f6\u00dfere Sendung abgeschickt wurden mit Tabak, Zigarren und Lebensmitteln.<br \/>\n<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">Doch auch soziale Arbeit f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung wurde geleistet:<br \/>\n<\/span><em><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">\u201eDen Frauen der Krieger wurde in den verschiedensten F\u00e4llen Rat erteilt. Schriftst\u00fccke f\u00fcr dieselben aufgesetzt u. G\u00e4nge f\u00fcr dieselben gemacht. .. Durch die Knaben der Klassen Ia u. IIa ist ein gro\u00dfer Teil der G\u00e4rten der Kriegerfrauen bearbeitet worden. F\u00fcr die Ferienerholung der Kriegerkinder wurden 67,75 M. gesammelt. An der hiesigen Schule haben wir einen Kleiderbaum eingerichtet u. gebrauchte Kleidungsst\u00fccke gesammelt. Diese wurden an bed\u00fcrftige Familien verteilt.\u201c (Schulchronik der Kath. Volksschule, Josefinenstr. 30, 122ff<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">Wie wichtig die G\u00e4rten waren, zeigte sich schon bald, denn die Versorgungslage der Bev\u00f6lkerung wurde katastrophal, Hunger stand auf der Tagesordnung. Der &#8218;Steckr\u00fcbenwinter&#8216; 1916\/17 ist in die Geschichte eingegangen. So berichtete Zeitzeugin <strong>Josefine H<\/strong>. sp\u00e4ter \u00fcber die Not am Ende des Krieges:<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/ggg.grumme.de\/wp-content\/uploads\/Steckruebern-Kohlruebenkarte_stadt_erfurt_1917.png\" alt=\"Grumme im ersten Weltkrieg\" width=\"168\" height=\"347\"><em><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\">\u201eAber im ersten Weltkrieg haben wir wirklich gehungert! &#8230; Da wei\u00df ich noch, wie ich zu meiner Mutter gesagt habe: \u201aMutter, ich habe einen entsetzlichen Hunger! Kannst du nicht mal Reibepl\u00e4tzchen backen? Und da sagte sie: \u201aWo soll ich denn das Fett hernehmen, ich habe kein Fett.\u2018\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">W\u00e4hrend anfangs die Soldaten Lebensmittel von zu Hause bekamen, drehte sich dies Verh\u00e4ltnis im Laufe des Krieges um. Am Ende waren es die Soldaten, die ihrer Familie etwas zu essen nach Hause schickten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Wie das alles ausging ist bekannt: fast 9,5 Millionen tote Soldaten. Die Zivilbev\u00f6lkerung litt in diesem Krieg besonders unter der katastrophalen Versorgung. Man sch\u00e4tzt, dass zwischen 1914 und 1918 rund 800.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Hungers gestorben sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif; font-size: 10pt; color: #000000;\">alle Zitate aus Th. Mono, Die Geschichte des Bochumer Stadtteils Grumme zwischen 1900 und 1980 im Spiegel erz\u00e4hlender Quellen und Erinnerungen Bochum 1981 S. 20-22<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kriegsbegeisterung im August 1914 ist uns heute unverst\u00e4ndlich, doch auch in Grumme wurde die Mobilmachung von vielen mit Jubel begr\u00fc\u00dft. So berichtete 1981 Zeitzeuge&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=2816\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Grumme im ersten Weltkrieg<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":2750,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"iawp_total_views":29,"powered_cache_disable_cache":false,"footnotes":""},"class_list":["post-2816","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2816"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2855,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2816\/revisions\/2855"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ggg.grumme.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}