{"id":2382,"date":"2024-03-01T08:14:53","date_gmt":"2024-03-01T08:14:53","guid":{"rendered":"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=2382"},"modified":"2024-04-04T08:18:25","modified_gmt":"2024-04-04T08:18:25","slug":"juden-verfolgung-in-grumme","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ggg.grumme.de\/?page_id=2382","title":{"rendered":"Juden-Verfolgung in Grumme &#8211; Leo Marx"},"content":{"rendered":"<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 50%;\"><span style=\"color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Im Laufe der Geschichte haben in Grumme kaum j\u00fcdische Mitb\u00fcrger gelebt.<\/span><span style=\"color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Trotzdem haben Grummer B\u00fcrger die Verfolgung der Juden miterlebt. Es gab viele T\u00e4ter, doch auch heimliche Helfer, wie der folgende Text zeigt. <\/span><\/td>\n<td style=\"width: 50%;\">\n<p><figure style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/ggg.grumme.de\/wp-content\/uploads\/Stolpersteinmarx.jpg\" alt=\"Juden-Verfolgung in Grumme - Leo Marx\" width=\"209\" height=\"209\"><figcaption class=\"wp-caption-text\">Stolperstein vor der ehemaligen Wohnung von Leo Marx an der Kortumstra\u00dfe 71<\/figcaption><\/figure><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Thomas Mono hat 1981 viele Anwohner befragt und ihre Aussagen protokolliert. Am <span lang=\"en-US\">26.4.1981 <\/span><span lang=\"en-US\">f\u00fchrte er ein Gespr\u00e4ch <\/span><span lang=\"en-US\">mit der damals 80j\u00e4hrigen <\/span><span lang=\"en-US\">Josefine H., <\/span><span lang=\"en-US\">die<\/span><span lang=\"en-US\"> ihr ganzes Leben in Grumme verbracht hatte<\/span>. Sie berichtete &#8222;<em>von dem schrecklichen Schicksal einer Judenfamilie, deren Vater in Grumme verkehrte<\/em>&#8222;:<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\"><span lang=\"en-US\">&#8222;Ich habe viel mit Juden zu tun gehabt. Das war ein Viehh\u00e4ndler, der verkaufte an die Metzger Vieh. Der wohn<\/span><span lang=\"en-US\">t<\/span><span lang=\"en-US\">e in der Stadt und hie\u00df Marx, und der kam viel zur Metzgerei Hackert, auch, als er den Stern schon trug, und hat sich da etwas geholt. Der Metzger Hackert wollte das nachher nicht mehr sehen, der hatte nichts dagegen, ist aber immer weggegangen, wenn der kam. Die Frau Hackert war ja meine Tante, und die hat ihm dann immer etwas eingepackt. Da kam er mal an einem Sonntag, da ging er nur in die K\u00fcche, die lag separat. <\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\"><span lang=\"en-US\">Da legte er ein paar Bilder hin von seinen Kindern, die waren bei<\/span><span lang=\"en-US\">d<\/span><span lang=\"en-US\">e nach Holland verschickt worden, und die Tr\u00e4nen lie<\/span><span lang=\"en-US\">f<\/span><span lang=\"en-US\">en ihm auf das Papier, die hat er nie wiedergesehen. Und die beiden, Mann und Frau, wurden auch vergast, das wissen wir. Die Hackerts hatten nachher Angst, ihm noch was zu geben, der kam im Dunkeln mit dem Rad gefahren, und dann kam er zu mir, wir wohnte schr\u00e4g hinter Hackerts an der Liboriusstra\u00dfe\/Ecke Josephinenstra\u00dfe. Der kam dann immer zu uns &#8218;rauf, monatelang, dann hatte ich das Paket fertig liegen. Und einmal sagte er zu mir, dass sie Bescheid h\u00e4tten und wegm\u00fcssten, und ich sollte mir seine N\u00e4hmaschine holen, ich habe das aber nicht ge<\/span><span lang=\"en-US\">m<\/span><span lang=\"en-US\">acht. Er sagte: &#8218;Ich wei\u00df es nicht, aber ich glaube nicht, dass wir uns wiedersehen.&#8216; Er ist nicht mehr wie<\/span><span lang=\"en-US\">d<\/span><span lang=\"en-US\">ergekommen. \u2014 <\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><span lang=\"en-US\">Bei uns im Haus wohnten unter uns Nazis, der Mann war bei der SS, und ich hatte immer eine schreck<\/span><span lang=\"en-US\">l<\/span><span lang=\"en-US\">iche Angst, dass die T\u00fcr mal von denen offen ging, wenn der Jude zu mir &#8218;raufkam. Wir wissen, dass der umgekom<\/span><span lang=\"en-US\">m<\/span><span lang=\"en-US\">en ist, vergast wurde. Dessen Familie war seit 300 Jah<\/span><span lang=\"en-US\">r<\/span><span lang=\"en-US\">en am Rhein ans\u00e4ssig, der hatte den 1. Weltkrieg als Soldat mitgemacht. Und er und noch ein Jude aus Bochum hatten ein Visum f\u00fcr Amerika, der andere ist auch &#8218;r\u00fcbergefahren und lebt jetzt wieder hier. Der hatte ein Visum f\u00fcr ihn und wollte, dass er mitf\u00e4hrt, aber er hat gesagt: &#8218;Nein, ich kann doch nicht von Deutschland weg, die k\u00f6nnen mir nichts, ich bin doch Soldat gewesen!&#8216; Mein Gott, ich habe manchmal Angst gehabt, wenn der Leo Marx, der Jude, zu uns kam! Die Kinder sind von hier aus nach Holland, und dann sind sie ja da einmarschiert. Und dann hat er noch Bescheid gekriegt, dass die umge<\/span><span lang=\"en-US\">k<\/span><span lang=\"en-US\">ommen sind, das wusste er noch. Dass er selbst umgekom<\/span><span lang=\"en-US\">m<\/span><span lang=\"en-US\">en ist, erfuhren wir von dem anderen Juden sp\u00e4ter. Der wusste, dass Mann und Frau vergast worden waren. Nazis waren genug in Grumme, die es nachher alle nicht mehr wissen wollten. Und der SS-Mann, der unter uns wohnte, kam nachher mit Listen zu uns, wir sollten un<\/span><span lang=\"en-US\">te<\/span><\/em><span lang=\"en-US\"><em>rschreiben, dass er nicht gef\u00e4hrlich war. Der ist heute ganz dick wieder bei der Polizei drin.&#8220;<\/em> <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt; color: #000000;\">aus Thomas Mono, Die Geschichte des Bochumer Stadtteils Grumme zwischen 1900 und 1980 im Spiegel erz\u00e4hlender Quellen und Erinnerungen Bochum 1981 S.36f<\/span><span style=\"color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Laufe der Geschichte haben in Grumme kaum j\u00fcdische Mitb\u00fcrger gelebt.Trotzdem haben Grummer B\u00fcrger die Verfolgung der Juden miterlebt. 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