Die Region, die man heute Ruhrgebiet nennt, war vor 200 Jahren eine ‚gottverlassene‘ Gegend. Am Hellweg waren zwar kleine Handelszentren entstanden, aber die wirtschaftliche Entwicklung fand in den rheinischen und bergischen Regionen statt.

Erst im Verlauf der folgenden Industrialisierung kam es zu einer grundlegenden Umgestaltung, die in einem unglaublichen Tempo auch die Landschaft der Ruhr-Region verändert hat. Das zuvor von Wäldern, Heidelandschaft und Landwirtschaft geprägte Gebiet wurde von Zechen, Fabriken und Kraftwerken, aber auch von Straßen und Siedlungen überzogen.
Das ganze Ruhrgebiet? Nein! würde es bei Asterix heißen.
Denn in unserer Art von ‚Metropole‘ finden sich viele Kleingebiete, in denen die ursprüngliche Landschaft – wenn auch mit Einbußen – erhalten geblieben ist. Dazu gehört auch das Bachsystem in Bochum Grumme.

1. Das Bachsystem heute

Relief, Gewässernetz und Südrand der Kreide (Bergsenkungen und Aufhaldungen) Abb. 2.1 in Zepp/Kasielke, Das Relief … s.u. S.3

Grumme trat schon im 12. Jahrhundert urkundlich als Grumhem in Erscheinung, berichtete 1951 Karl Freund im Bochumer ‚Heimatbuch‘. Dass die Grume (‚im Talgrunde‘) der Siedlung den Namen gab, deute darauf hin, dass schon damals ein Bach durch das Tal geflossen sein muss.

Grumme liegt in der Nähe des westfälischen Hellwegs, der als ‚großer Hellweg‘ in etwa auf der Wasserscheide (blaue Linie s. Karte links) verlief, die die Einzugsbereiche der Ruhr und der Emscher trennt. Grumme liegt nördlich bzw.westlich davon.

Auszug aus: Abb. 4.9 Typisierung der Fließgewässerstrecken und ihre Gewässergüte (Stand 2011-2013) in H. Zepp, Die „blaue“ Natur.. s.u. S.23, Karte in Originalgröße s. http://ggg.grumme.de/karte_4_9_gewaessergueterand

Der Grummer Bach und auch der Dorneburger Bach sind Teil des Emscher-Gewässersystems und deshalb auch vom Projekt zur Renaturierung der Emscher betroffen. Der Dorneburger Bach fließt direkt in den Hüller Bach. Das Wasser des Grummer Bachs fließt – oft unterirdisch und mit unterschiedlicher Gewässergüte – über den Hofsteder und den Hüller Bach in die Emscher.

Der Grummer Bach entspringt in Bochum Hiltrop, fließt in kanalisierter Form durch die Halde der Stahlwerke Bochum und dann, z. T. unterirdisch und in unterschiedlicher Gewässergüte, weiter durch das Grummer Tal. In der Gegenwart hat er an der Oberfläche nur noch zwei linke Zuflüsse, die Schmalebecke und den Rottmannsbach. Außerdem wird er von vielen Quellen im oberen Bereich des Tals gespeist.
Der Dorneburger Bach entspringt auch in Hiltrop und durchfließt im Bereich der Berger Mühle ein kleines Stück die Gemarkung Grumme.

Zur Zeit wird das Gebietder Grummer Teiche unmgestaltet, die IG-Grumme informiert dazu ausführlich auf ihrer Website.

2. Topologie und Geologie

Die Gemarkung Grumme ist Teil der Festlandsbucht der ‚Bochumer Mulde‘, die aus der Abflachung des Ardey-Gebirges von der Altenbochumer Wasserscheide zur Emscher-Niederung entstand. Hier hatten sich schon in der Jungsteinzeit Bauern angesiedelt, weil der lößhaltige Boden für die Landwirtschaft sehr geeignet ist. Paradoxerweise wurde dieses Ackerland fast vollständig von der Industrialisierung erfasst und weitgehend überbaut. Im Gegensatz zu anderen Metropolen gibt es aber zwischen den Zentren wegen der heterogenen Struktur offene Räume . Dort befinden sich oft Grünzüge, landwirtschaftlich genutzte Flächen und sogar Landschaftsschutzgebiete. Das Grummer Bachtal LSG-4409-048 gehört seit 1974 dazu.

https://de-de.topographic-map.com/maps/6jjw/Bochum

Der Boden Bochums ist in vier Schichten aufgebaut. Im Ruhrtal kommt die unterste Schicht, das Karbon (gut 300 Mio. Jahre alt), stellenweise bis an die Oberfläche und hat dort die Entstehung des Bergbaus ermöglicht. Die Mergelschicht legte sich in der Kreidezeit (vor ca. 100 Mio. Jahren)  in der Emscherzone darüber (s. Karte oben links). Sie musste im 19. Jahrhundert bei den Tiefbau-Zechen durchstoßen werden. Vor ca. 800.000 Jahren wurde dann der Bochumer Norden von einer ‚Ur-Ruhr‘ überflutet. Darunter darf man sich nicht einen Fluss wie die heutige Ruhr vorstellen mit einem begrenzten Flussbett. Es war vielmehr ein sehr breiter, mäandernder Wasserstrom, der viel Schotter mitbrachte und über die Mergelschicht floss. Nach dem Aufbau der Lößschicht nach der letzten Eiszeit vor ca. 11.000 Jahren entstand so ein Bodenaufbau in 4 Schichten (Mächtigkeit nicht proportional dargestellt):  

Da die Schicht des Ruhrschotters wasserhaltig und die Mergelschicht wasserundurchlässig ist, entstehen an den Rändern der Täler Quellaustritte. Aus den grundwasserführenden Kiesen (‚Castroper Höhenschotter‘) läuft das Wasser ins Tal und es entsteht ein Bach. Das ist beim Grummer Bach an vielen Stellen, z.B. Auf dem Güstenberg zu beobachten.

Doch im Verlauf der letzten 200 Jahre hat sich das Tal der Grume stark verändert.
Hierzu erscheint demnächst Teil 2 zur Geschichte der Bäche – Teiche – Mühlen in Bochum Grumme.

– größere Ansicht der Karten hier

Literatur

Harald Zepp, Thomas Schmitt, Karl-Heinz Otto, Ökologische und klimatische Perspektiven auf die Stadtlandschaft Bochums 2020   Aschendorff Verlag (LWL)  darin:

Harald Zepp, Till Kasielke, Das Relief – Bezugsfläche für Siedlung und Nutzung, S.3ff

H. Zepp, Die „blaue“ Natur: Veränderungen von Wasserhaushalt und Gewässern S.17ff

Freund, Karl, Heimatkundliches aus Grumme in: 5. Heimatbuch Bochum 1951 (letzter Zugriff: 17.10.2021)

wikipedia: Liste von Gewässern in Bochum (letzter Zugriff: 17.10.2021)

Autor: Heinz Schlinkert

Stand: Oktober 2021